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Noch sechzig weitere Jahre waren Braumeister aus Bayern verantwortlich für die Produktion des Pilsner Urquells, das noch heute unverändert gebraut wird. Der Siegeszug des blonden, hopfenbetonten Bieres war nicht länger aufzuhalten, nachdem es nach Einführung der technischen Kühlung die Möglichkeit gab, unabhängig von Eiskellern zu brauen.

Nach und nach gab es immer mehr Brauereien, die die Pilsner Brauart übernahmen und ihr Bier auch entsprechend benannten. Nach einer Unterlassungsklage des Pilsner Brauhauses gegen die Münchner Brauerei Thomass 1899 setzte sich der Name „Pilsner“ als offizielle Sortenbezeichnung endgültig durch.

Aufgrund eines Sonderabkommens zwischen der Schweiz und Tschechien verzichtet man allerdings in der Schweiz noch heute auf die Bezeichnung Pilsner – dort nennt man es „Spezialbier“. Im Gegenzug verzichten die Tschechen auf die Bezeichnung „Emmentaler“ für Käse.

Pilsner Bier wird mit einem Stammwürzegehalt von 10 – 13 Prozent und 4 – 5 Volumenprozent Alkohol in die Kategorie der Vollbiere eingeordnet. Man unterscheidet dieses Bier heute in böhmisches Pils von gelber bis goldener Farbe und deutsches Pils, welches heller und hopfenbetonter ist.

Herber Pilsgenuss

Pilsner ist vor allem eines: hopfenbetont. Böhmisches Pilsner ist im Geschmack etwas malzaromatischer und kann leichte Butteraromen enthalten, was gut mit den frischen, herben Noten des typischen Saazer Hopfens harmoniert. Es ist weniger herb als die deutsche Version.

Deutsches Pilsner ist schlanker im Geschmack, aber von prickelnder Frische und verfügt neben der feinherben Bittere ebenfalls über ein ausgeprägtes Hopfenaroma. Die typischen böhmischen Butteraromen sind hier nicht erwünscht. Der im deutschen Pils verwendete Hopfen stammt meist aus der Region Spalt oder Hersbruck im größten Hopfenanbaugebiet der Welt, der Hallertau. Besonders bitter sind die norddeutschen Vertreter dieses Bieres.

In Norddeutschland findet es auch nach wie vor die meisten Liebhaber. Pilsner sollte in der Tulpe oder im Pokal bei 7 – 8 °C ausgeschenkt werden. Es eignet sich pur als Aperitif oder als Cocktail mit Sekt oder Campari. Man findet es als Mischgetränk unter bekannten regionalen Namen wie z. B. Radler, Alster, Tango, Krefelder oder Russen.

Pilsner schenkt man heute ebenso zur Currywurst als auch zu einem 5-Sterne-Menü aus. Mit seiner feinen Hopfennote passt es ausgezeichnet zu Pasteten und Vorspeisen, Salaten, Fisch, Meeresfrüchten und hellem Fleisch wie Geflügel. Es harmoniert zum Schafskäse ebenso wie zum Frisch- und Sauermilchkäse und zu Kuchen.

Keine 7 Minuten

Eines der bekanntesten Gerüchte um das Pilsner ist wohl, dass ein gutes Pils genau 7 Minuten braucht. Doch bei dieser Zeitspanne kommt das feinperlende Pils eher schal beim Bierfreund an. Richtig schenkt man Pilsner aus, indem man das Glas leicht schräg unter den Zapfhahn oder die Flasche hält und zunächst zur Hälfte füllt.

Dann lässt man es etwa eine Minute ruhen. Schließlich füllt man das Glas auf und bewegt es zum Ende leicht auf und ab, bis sich eine schöne Krone aus dem typischen, sahnigen Schaum bildet. Beim Zapfen sollte man behutsam vorgehen und niemals den Zapfhahn in das Bier tauchen. Dadurch wird Luft ins Bier gedrückt und es wird seiner prickelnden Rezenz beraubt.

Egal ob man eher ein Freund süßer, malzbetonter Frische des Märzenbiers oder eines bayrischen Hellen ist oder ob man lieber Export mit feinen Malznoten und milder Hopfenbittere genießt: Erfrischung und Genuss ist bei allen Sorten garantiert.

Untergärige Lagerbiere gibt es in großer Vielfalt. Moderat genossen sind diese nicht nur gesund – ein durchschnittliches Lagerbier hat nur etwa 40 – 50 kcal auf 100 ml, also weniger als die meisten Getränke. Dabei lässt sich Lager, richtig ausgewählt, ausgezeichnet als Begleiter zu gutem Essen verwenden. Probieren Sie es aus.

Autor/in: Thomas Vogel, Fotos: Deutscher Brauer-Bund e.V.


 
Junge Biersorten auf Erfolgskurs