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Münchner ist kräftig malzbetont, süffig im Aroma und kann neben kernigen Karamellaromen auch leichte Röstnoten aufweisen. Inzwischen wird auch helles Münchner hergestellt, das in der Bittere ebenso dezent, aber etwas hopfenaromatischer als sein dunkles Gegenstück ist.

Wiener Export wird mit Wiener Malz hergestellt. Es ist um einiges heller als sein Münchner Pendant, aber mit seinen Kupfertönen dennoch dunkler als Dortmunder. Wiener Export wird heute kaum noch hergestellt. Die größte Ähnlichkeit besteht mit den heute auf dem Münchner Oktoberfest ausgeschenkten Festbieren und manchen Märzenbieren. Es ist malzaromatisch-frisch im Aroma und recht kräftig gehopft, jedoch nicht so stark wie Dortmunder.

Für alle drei Export-Typen ist eine Trinktemperatur von 7 °C zu empfehlen. Aufgrund der geschmacklichen Unterschiede ist klassisches Dortmunder mit seinem kräftigen Körper und deutlicher Hopfenbittere zu kernigen Wurstsalaten, hellem Braten, Eintöpfen und pikantem Käse zu empfehlen.

Münchner Export passt ähnlich wie Märzen und Wiener Export zu Kanapees und kalten Platten, Eintöpfen und mildem Braten, mild-würzigem Käse und Nusskuchen. Exportbiere schenkt man im Glasseidel mit Henkel, aber auch im Becherglas aus. Dortmunder Export wird auch im kleinen Pokal oder in der Tulpe ausgeschenkt.

Eine bayrisch-böhmische Erfolgsgeschichte

Pilsner als vermeintlich typisch deutsches Bier wurde gar nicht in Deutschland erfunden. Der Name des erfolgreichen untergärigen Bieres leitet sich von der ehemals böhmischen Stadt Pilsen ab, die im heutigen Tschechien liegt. In Böhmen, das Mitte des 19. Jahrhunderts noch zum österreichischen Kaiserreich gehörte, braute man zu dieser Zeit noch obergäriges Bier auf die altbekannte Weise. Das böhmische Bier war aber zuweilen derart schlecht, dass auf Beschluss des Pilsener Magistrats im Februar 1838 sogar 36 Fass Bier öffentlich ausgeschüttet wurden.

Die Pilsener bauten daraufhin ein neues Brauhaus und verpflichteten den Bayern Josef Groll als Braumeister. Der führte die bayrische Brauweise im bürgerlichen Brauhaus zu Pilsen ein. Doch nicht nur das, Groll hatte außerdem ein ganz neues Bierrezept im Gepäck, als er nach Pilsen kam. Für dieses neue Bier verwendete er statt dunklem sehr helles Malz und gab reichlich böhmischen Saazer Aromahopfen zu.

Das Ergebnis bot ein völlig neues Geschmackserlebnis und war schnell über die Region hinaus beliebt. Die ursprüngliche Herkunftsbezeichnung Pilsner setzte sich rasch in den Köpfen fest und bürgerte sich bereits Anfang des 19. Jahrhunderts im Volksmund als Sortenbezeichnung ein. Nur in Bayern konnte sich das helle Pilsner zunächst nicht so recht durchsetzen, es war zu herb. Dennoch trat der frische, feinherbe Geschmack seinen Siegeszug durch Deutschland an.

In den 1870er Jahren wurde das Pilsener in Berlin Mode und galt als eines der elegantesten Getränke der Hauptstadt. Braumeister Grolls Vertrag mit den Pilsenern lief jedoch nach nur fünf Jahren aus. Er kehrte daraufhin nach Bayern zurück, wo die Wolferstetter-Brauerei bis heute ein „Josef Groll Pils“ im Sortiment hat.


 
Junge Biersorten auf Erfolgskurs