Kosterbiere: Flüssiges bricht fasten nicht

„Wie der Wein nach Süden, so wird Bier nach Norden immer besser“, sagte schon im 15. Jahrhundert der schwedische Bischof Olaf Magnus nach der Rückkehr aus Rom. Und auch Martin Luther lobte 1521 auf dem Reichstag zu Worms: „Der beste Trank, den einer kennt, wird Einbecker Bier benennt.“ Entsprechend groß war die Rolle der Kirche bei der Verbreitung des Bockbiers.

Klosterbrauereien entwickelten die Braukunst frei von weltlichem Begehren der Obrigkeit und der Zünfte. Schmale Kost in den Klöstern machte unfiltriertes Bier zur willkommenen Bereicherung der Speisen. Die gehaltvollen, aromatischen Starkbiere waren ein Trost in der Fastenzeit, die man damit in den Klöstern besser ertrug. Es galt der Satz: Flüssiges bricht Fasten nicht!

Der Legende nach bedurfte das klösterliche Brauen und Trinken von Starkbier der Genehmigung. So sandte man ein Fass nach Rom, doch es wurde auf dem langen Weg schnell schal und sauer. Der Papst urteilte, dass „solch Gesöff“ das Seelenheil nicht störe und somit erlaubt sei. Vom Papst dergestalt abgesegnet, entwickelten sich die Klosterbiere prächtig. Eine besondere Spezialität sind die Trappistenbiere, einzigartige Starkbiere, die heute nur noch in sechs Klöstern in Belgien gebraut werden dürfen.

Eine weitere besondere Variante des Bockbiers ist das Eisbock. Diese von wenigen Brauern wiederentdeckte Bierspezialität hat eine eigene Legende. Man erzählt sich, ein Brauergeselle habe im Winter 1890 in Oberfranken versehentlich Fässer mit Bockbier im Freien stehen lassen. Nachts gefror das Wasser im Bier zu Eis. Als Strafe für seine Unachtsamkeit sollte der Geselle das Eis zerschlagen und die im Innern gesammelte Flüssigkeit aus Alkohol und restlichen Inhaltsstoffen austrinken. Überraschenderweise war das konzentrierte Bier sehr vollmundig, aromatisch und durchaus genießbar. So entstand zufällig das stärkste Bier, das dem Reinheitsgebot entspricht.

So schmeckt das Bockbier

Wer Bockbier trinkt, wird bemerken: Es hat ausgeprägte Aromen und viel Alkohol. Im Geruch werden feine Fruchtnoten von Malzaromen getragen. Bockbier ist vollmundig und oft begleitet von Karamelltönen. Häufig trifft man Schokoladen- oder Röstaromen im dunklen Bock. Meist wird die Malzsüße vom Kontrast ausgeprägter Hopfenbittere und sanften Hopfenaromen begleitet. Die leichte Rezenz verwöhnt dabei die Zunge.

Bockbiere genießt man am besten zu kräftigem Braten, Steaks, zur Bockwurst, die danach benannt wurde, oder zu würzigem Käse, herber Schokolade, Früchten, Torte, Nüssen und Mandeln. Empfohlen wird eine Serviertemperatur von 6–9 °C, für den Eisbock bis zu 11 °C. Bockbier macht übrigens nicht dick, wie viele glauben, denn sogar Doppelbock hat weniger Kalorien als Vollmilch.

Weizenbier: Urbier jenseits des Reinheitsgebotes

Weizenbier, kurz Weizen genannt, ist ein obergäriges Bier und kann als „Urbier“ bezeichnet werden. Erste Belege für die Herstellung von Brotbier, dem Vorläufer heutiger Biere, sind bereits aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. bei den Sumerern bekannt. In Ägypten stand den Arbeitern beim Bau der Pyramiden eine tägliche Ration Bier zu, darunter auch Weizenbier.

Erste deutsche Nachweise von „Weißbier“ oder „Weiße“ fand man in Kasendorf bei Kulmbach, als Bieramphoren aus der Zeit um 800 v. Chr. untersucht wurden. Heute kaum nachvollziehbar, hatte man im Süden mit Bier zuerst nicht viel am Hut. Es wurden Wein und Most getrunken, denn den Weizen brauchte man für das tägliche Brot. 1393 beschloss der Nürnberger Rat, zum Brauen nur Gerste zuzulassen, so wie es zunächst auch im Reinheitsgebot von 1516 stand. Erst später wurde in dem Text aus „Gerste“ einfach „Malz“.

Die Verbote hatten auch wirtschaftliche Gründe. Freiherr von Degenberg erhielt 1529 vom Vater des Reinheitsgebotes, Wilhelm IV., gegen Gebühr das Recht, in Bayern Weizenbier herzustellen. 1567 wurde das Brauen von Weizen dann verboten: „Es führe weder, noch nähre es, gebe noch Kraft und Macht, sondern reize nur zum Trinken“, hieß es. Nur die Degenberger durften auch weiterhin Weizen brauen.


 
Genussbiere mit langer Tradition