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Bock- und Weizenbier

Genussbiere mit langer Tradition

Die meisten Biersorten werden traditionell zu bestimmten Zeiten im Jahr getrunken. Untergärige Biere, wie z. B. Pilsner, wurden vor Einführung der Kühltechnik im 19. Jahrhundert nur im Winter gebraut, wenn es Eis zur Kühlung gab. Ansonsten trank man obergärige Biere (Altbier, verschiedene Bockbiere und Weizenbier), die ohne Kühlung auskamen. Diplom-Biersommelier Thomas Vogel führt ein in die kleine Bock- und Weizenbierkunde.

Vielseitig wie kaum eine andere Biersorte und gleichzeitig historisch bedeutend ist das Bockbier. Es darf ober- und untergärig gebraut werden und kann aus Gerste und anderem Getreide hergestellt sein. Bekannt ist bis heute vor allem das Frühlingsbock, das traditionell in der Fastenzeit vor Ostern getrunken wurde, oder das beliebte, meist helle „Maibock“ zur Stärkung bei der Feldarbeit. Winter- oder Weihnachtsbock fanden besonders in der Adventszeit Anklang. Bockbier ist nicht nur vielseitig in Brauart, Geschmack und Ausprägung, es ist auch aus der deutschen Biergeschichte nicht wegzudenken.

Ursprung des Bockbiers

Erfunden wurde Bockbier nicht, wie oft vermutet, in Bayern, sondern in Einbeck nahe Hannover. Den Siegeszug durch Europa begann das Starkbier schon im Mittelalter. Um 1240 erhielt Einbeck Stadtrechte und die Bürger damit das Braurecht. Die Bürger von Einbeck lebten von der Weberei und dem Bierbrauen – die Stadt gehörte damals zu den deutschen Bierhauptstädten. Ihr obergärig gebrautes Starkbier galt als Luxusware und war äußerst begehrt. Exporte nach Hamburg und Celle sind bereits ab dem 11. Jahrhundert verzeichnet. Ende des Mittelalters gab es 700 Brauer in Einbeck und man lieferte Bier nach Süddeutschland, Skandinavien, Holland, Italien und ins Baltikum.

Auch die Farbe macht's: Diplom-Biersommelier Thomas Vogel bei der Verkostung

Einbecker Bier wurde mit hoher Stammwürze gebraut und hatte einen hohen Alkoholgehalt, die beste Methode, um Bier für lange Transporte haltbar zu machen. Unter Stammwürze versteht man den Anteil gelöster Stoffe im Biersud vor der Vergärung. Das ist vor allem durch Hefe verwertbarer Malzzucker, aber auch Mineralstoffe, Eiweiße, Vitamine und Aromen, die dem Bier seinen Charakter geben. Bockbier hat traditionell eine Stammwürze von 16 Prozent und bis 7 Volumenprozent Alkohol. Doppelbock muss mindestens 18 Prozent Stammwürze bei bis zu 13 Volumenprozent Alkohol haben.

Bockbier wird bayrisch

Das besondere Aroma dieses Bieres blieb auch den bayrischen Herzögen nicht verborgen. Es ist überliefert, dass sich die Wittelsbacher um 1550 für eine Hochzeit Bier extra aus Einbeck nach München liefern ließen. Der Import wurde den Herzögen jedoch auf Dauer zu teuer, so dass man 1573 das erste bayrische Hofbräuhaus auf der Landshuter Burg Trausnitz gründete. 1589 wurde das sogenannte „Braune Hofbräuhaus“ dann nach München verlegt.

Auf Bockbier-Etiketten ist mitunter ein Ziegenbock abgebildet, der aber nicht als Namensgeber anzusehen ist. Auch wenn Bockbier nicht bayrischer Herkunft ist, so stammt sein Name doch aus Bayern. Im bayrischen Hofbräuhaus gebrautes Braunbier konnte mit dem Original aus Einbeck zunächst nicht mithalten. Daher warben die Wittelsbacher um 1614 den Einbecker Braumeister Elias Pichler ab, der fortan Starkbier nach Einbecker Brauart in Bayern herstellte. Dieses nach bayrischer Mundart benannte „Ainpöckisch Bier“ wurde einfach nur „oan Ainpöcksch“ genannt. Da-raus entstand schließlich „oan Bock“, weil das einfach leichter über die Zunge ging. So wurde der Begriff „Bockbier“ in Bayern geboren und später überall übernommen.


 
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